Deutschland Kinder

Mainau

Heute war ich mit meinem Bruder und seiner Familie auf der Insel Mainau im Bodensee. Wir fuhren von Meersburg mit dem Schiff hinüber. An der Eingangskontrolle drückte jemand den Kindern einen Zettel in die Hand: Eine Schatzsuche, Schnitzeljagd.

Ich ging langsam zur Seepromenade, während die anderen die Anweisungen studierten. Palmen in Kübeln, Strandkörbe, auf der Landseite Blumen und Stauden in sehr grünem Gras. Es war ziemlich warm. Obwohl ich so langsam schlenderte, wie ich kann, ohne stehen zu bleiben, wurde der Abstand zu den anderen immer grösser. Als sich die Wege teilten, wartete ich. Nach längerer Zeit schlossen sie auf, Schatzzettel in der Hand, und rätselten über die Schilder in einem blauen Blütenmeer. Tante Juliane gab Hilfestellung. Rose war eifrig dabei die Rätsel zu entschlüsseln. Dem Cousin jedoch fiel der Zettel auf den Boden, und er hob ihn nicht auf.

Ich spürte eine explosive Unruhe und den Drang zu gehen, schnell zu gehen, das Schloss zu sehen, überhaupt etwas zu sehen. Ich merkte an, man könne die Kinder doch auch alleine losschicken.

So geht mir das immer. Ich würde die Kinder gerne fordern, herausfordern, zur Selbständigkeit erziehen, aber immer scheint mir, die anderen Eltern, die Schule, YouTube machen mir einen Strich durch die Rechnung. Die Kinder werden betütelt und bespielt. Wenn ich dann mal alleine mit ihnen bin, trauen sie sich nichts zu und sind von meinen Ansprüchen überfordert. Dabei ist mein Job als Vater, neben dem Schutz vor Gefahr und der Fürsorge, doch genau das: sie so weit zu bringen, dass sie mich nicht mehr brauchen.

Die Schatzsuche war dann doch schneller zuende als gedacht und die Kinder (und die Tante) holten sich ein kleines, einzeln verpacktes Stück Ritter-Sport Schokolade ab.