Seattle

Schulkameraden

Seit letztem Sommer geht Alistair in die Grundschule bei mir im Viertel. Hin und wieder sieht er noch die alten Freunde von der Deutschen Schule. Aber nicht oft. Da sie über die ganze Stadt verteilt wohnen, trifft man sich nicht einfach so: Zuerst müssen sich die Eltern absprechen, einen Termin finden und die Fahrt organisieren. Einer seiner Freunde von früher, wird auch in Zukunft auf eine Privatschule gehen. Die Eltern halten nicht viel von der öffentlichen Schule. Das bedeutet aber auch, dass sie die nächsten Jahre mit “Fahrdienst” zubringen werden, bis die Kinder 16 sind und den Führeschein machen werden. Dann wird die Familie seines Freundes vier Autos haben.

Mit Alistair habe ich in den letzen zwei Monaten den Schulweg geübt. Er kann in 20 Minuten nach Hause laufen. Eine verkehrsreiche Strasse ist zu überqueren, aber es gibt einen Zebrastreifen. Viele seiner Freunde wohnen in der gleichen Richtung. Heute nach der Schule ist er das erste mal mit denen mitgelaufen, sie haben Eis gekauft, hingen am Spielplatz ab und zwei Studen später habe ich ihn bei einem der Jungs zuhause abgeholt.

Rose nimmt schon seit Beginn des Schuljahres den Bus und kommt so ganz selbständig zur Schule. In den letzten Wochen brachte sie immer wieder Freundinnen mit nach Hause, manchmal blieben die sogar zum Abendessen.

Wichtiger als zu den AI-powered kids in der Alpha School zu gehören ist mir, dass sie Freunde finden und ihr Leben selbständig gestalten können. Ich hatte schon fast den Glauben daran verloren dass das in Seattle und Amerika überhaupt möglich sein könnte, aber die letzten Wochen geben mir Hoffnung.