Mein neuer Arbeitsweg

Ich habe es schon angedeutet: Ende Mai gebe ich die Wohnung in Santiago auf und ziehe mich auf’s Land zurück. Allerdings gehe noch nicht völlig in den Ruhestand, ich arbeite weiter am Observatorium, erstmal. Von gestern auf heute habe ich den neuen Reiseweg ausprobiert, denn im Gegensatz zu früher kann ich in Zukunft nicht mehr eine Nacht in der Hauptstadt verbringen, auf dem Weg von Chillán nach Antofagasta.

Und das geht so: Von 9 Uhr abends bis halb eins Nachts lege ich mich für ein paar Stunden auf’s Ohr. Dann fahre ich die 40km nach Chillán (oder mein freundlicher Nachbar fährt mich, er kann dafür das Auto benutzen in meiner Abwesenheit). Der Nachtbus fährt um 1:40 in Chillán ab und ist um 6:45 in Santiago. Die Sitze sind breit und bequem und lassen sich weit zurückstellen, so wie business class. Mit etwas Gewöhnung kann man sogar schlafen.

Am Busterminal wartet schon das Taxi, es bringt mich in 20min zum Flughafen. Der Flieger nach Antogasta startet um 8:30. Um 10:30 bin ich in Antofagasta, dort wartet der Observatoriumsbus und bringt mich zur Arbeit, wo ich gegen eins aufschlage.

Ja, anstrengend ist diese 12-Stunden-Tour schon, deshalb will ich den  Rückweg weiterhin in zwei Etappen zurücklegen und eine Nacht in Santiago im Hotel verbringen. Dann kann ich am folgenden Morgen noch ein paar Erledigungen in der Hauptstadt machen und am Nachmittag den Zug nehmen. Sobald der wieder fährt, feiere ich ein Fest! Nach dem Erdbeben ist die Strecke beschädigt, der Schotter verrutscht, die Oberleitung heruntergefallen. Aber die Bautrupps arbeiten daran, das neoliberale Chile nimmt das Erdebeben glücklicherweise nicht zum Anlass, wieder mal die öffentliche Infrastruktur in Frage zu stellen und die letzte verbliebene Bahnstrecke im Land zu schliessen, weil sie sich angeblich nicht rechnet.

Dieses nicht-rechnen ist so kurz gedacht. Mein Hausbau soll hier als Beispiel dienen: Gäbe es die Bahn nicht, hätte ich niemals das Geld dort investiert, denn zu wöchentlichen Busfahrten oder gar Autofahrten wäre ich nicht bereit gewesen: Der Bus ist auf Dauer doch sehr unbequem und man bekommt zwangsweise Gewaltfilme vorgeführt – Autofahren ist eine noch grössere Zeitverschwendung, man kann nichtmal lesen und die 500km Benzin plus Autobahngebühr gehen zudem ziemlich ins Geld.

Auf der Karte suggeriert die rote Linie möglicherweise, ich würde direkt von Chillán nach Antofagasta fliegen. Das ist leider nicht der Fall, ein Privatjet ist nicht drin.

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