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Alle draußen?

Dann darf ich ja mal anmerken, dass mir der Rummel um die 33 Mineros doch reichlich übertrieben erschien. Gibt es nichts wichtigeres auf der Welt? Eine Wohlfühl-Nachricht ist was schönes. Aber die 24-Stunden Berichterstattung der man tagelang in Chile kaum noch entkam, das war zuviel des Guten. Im Taxi lief das Radio mit life-Bericht. Im nächsten Laden läuft der Fernseher, live aus Copiapó. Zwei Stunden sitze ich im Wartesaal der Visa-Stelle, auch hier Dauer-TV.

Einmal wird eine Meldung eingeblendet: 45 Tote bei Zugunglück. Mein Gott, denke ich auch das noch. Wieder ein Rückschlag für die Eisenbahn in Chile auf deren Wiedereinrichtung nach Chillán ich seit dem Erdbeben vergebblich warte. Das Unglück war aber in der Ukraine, wie ich erst zwei Tage später rauskriege, nachdem ich eine Zeitung in den Händen hielt (und mich durch die 40 Seiten Minenrettungshintergrundberichte geblättert hatte). Eine Nachricht soll die Zuschauer über Dinge informiert die für sie wichtig sind, ein Zugunglück in der Ukraine kann einem Südamerikaner wirklich wurscht sein! Tagelange live-Berichte von der Rettungsaktion der Mineros sind pure Unterhaltung.

Nur ein Beispiel für eine Nachricht, die darum ziemlich unterging in den letzten Monaten (und wahrscheinlich war der chilenischen Regierung das Timing ganz recht): Während die Minenarbeiter auf Rettung harrten, befanden sich 38 inhaftierte Mapuche im Hungerstreik. Die Mapuche sind die indianische Urbevölkerung des südlichen Teils von Chile und sie kämpfen für mehr Unabhängigkeit und die Rückgabe ihres Landes. Nicht immer mit friedlichen Mittel, die 38 sitzen wegen Straftaten wie zum Beispiel Brandstiftung. Das Problem hier ist, dass der chilenische Staat drakonische Terroristengesetze gegen die Mapuche anwendet, die noch aus der Pinochet-Zeit stammen. Die Landbesitzer und die Polizei schlagen hart zurück in dem ungleichen Kampf. Ein Slogan den ich in Chillán an eine Wand geklebt las lautete: 3 años por matar a un mapuche 80 años por quemar un bus (3 Jahre für den Tod eines Mapuche, 80 Jahre für den Brandanschlag auf einen Bus).

Coming down

Ein Quentchen Starkult. Zentrale Szenen vom neuen James Bond wurden auf Paranal gedreht. Was auf dem Filmplakat im Hintergrund raucht sind die Reste unserer Residencia.

Warnung!

Im Gespräch mit Kollegen hat der Film schlechte Wertungen bekommen. Und mit den spitzen Worten des “New Yorker” (den ich seit letzter Woche stolz abonniert habe): This time, having hopped lightly around the globe, paying his brief respects to Siena, London, Haiti and Austria, our hero winds up fussing about with water supplies in the back end of Bolivia. Is Vesper truly avenged because her beloved James gets to butch it out with the flower-shirted Dominic in what looks like a Ramada Inn? The place is so isolated, and frankly so hideous, that there appear to be no other guests, or even room service. Collateral damage is minimal, the world is saved, and nobody even noticed.

Ich habe Bond selbst noch gar nicht gesehen und habe es nach den Kommentaren auch nicht eilig…