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Ein Programmierer in New York (I)

In diesem und in folgenden Blogeinträgen schildere ich meine Erfahrungen bei der Arbeitssuche in New York. Möglicherweise hat jemand ähnliche Pläne und ist dankbar für die Hinweise. Aber Achtung, ich denke daß vieles was ich hier schreibe spezifisch für die Situation in New York ist und im Silicon Valley oder in der Provinz mag alles ganz anders sein.

Der Arbeitsmarkt in New York

Hire und fire hatte ich als Losung im Kopf, wenn es um den amerikanischen Arbeitsmarkt geht. Ich stellte mir vor, dass die Firmen hier nicht zögern einen Angestellten hinauszuwerfen, wenn die Leistung nicht stimmt oder der Absatz schlecht ist. Umgekehrt sollten sie aber auch ganz fix mit Neueinstellungen sein und wer sich an einem Tag vorstellt, kann gleich am nächsten mit der Arbeit beginnen. Wie alle Klischees, erwies sich diese Vorstellungen als fast komplett falsch. Die Firmen brauchen Wochen bis Monate um einen Bewerber durch den Einstellungsprozess zu schleusen und ich habe viel Zeit verloren, weil ich zuerst auf meine Arbeitserlaubnis wartete und mich erst mit deren Eintreffen ernsthaft zu bewerben begann. Trotzdem unterschrieb ich am Schluß bei einer Firma, die vom Erhalt meiner Bewerbung bis zum Arbeitsangebot nur gerade mal 11 Tage brauchte.

In der Vergangenheit hatte ich immer den Traum, einmal als Kellner zu arbeiten, weil ich zu gerne beweisen wollte, dass man zu den Gästen aufmerksam, höflich und mit dem Service schnell sein kann, alles Fähigkeiten die ich beim Personal zu häufig vermisse. Als ich dann über zwei Monate in New York auf dem Trockenen sass, habe ich trotzdem nie ernsthaft daran gedacht eine Arbeit im Dienstleistungssektor zu suchen. Ein Grund ist das niedrige Gehalt, als Kellner oder Bürokraft verdient man vermutlich um die $3000-$4000 im Monat, als Programmierer mindestens das Doppelte. Daneben war ich aber auch durch die Bewerbungen zeitlich ziemlich in Anspruch genommen. Ich habe mich in der Wartezeit intensiv in Web-Technologien eingearbeitet. Die potentiellen Arbeitgeber lieben es, Programmieraufgaben zu stellen. Vielleicht macht man das in Deutschland heute auch, aber als ich vor etwa zehn Jahren das letzte Mal in Deutschland auf Jobsuche war, war so etwas nicht üblich. Für einige Aufgaben habe ich durchaus ein paar Tage gebraucht, vor allem wenn grafische Ausgabe oder eine Webseite gefordert war.

Unternehmen

In New York gibt es reichlich Arbeitsangebote bei Startups und andern jungen und eher kleinen Softwareunternehmen. Fast immer geht es um Web-Programmierung und Datenbanken. Die Branchen sind Werbung, nochmal Werbung, Unterhaltungsindustrie, Ausbildungs/Schulsoftware, Onlinehändler. Daneben gibt es große Medienunternehmen (Bloomberg, New York Times) und natürlich die Finanzindustrie.

Meine Programmierfahrung in den letzten Jahren bewegte sich hingegen stark im technischen Sektor, aber leider gibt es in dieser Stadt einfach nichts derartiges. Ich habe keinerlei Industrie gefunden, die technische Geräte oder Maschinen herstellt. An anderen Orten im Land, wo Programmierer für eingebettete Systeme gebraucht werden, ist wiederum der Anteil der Militärtechnologie sehr hoch und abgesehen davon, dass so einem Job eine intensive Durchleuchtung vorausgeht, will ich ohnehin keine Waffen bauen oder Drohnen fernsteuern.

Ich musste meinen Lebenslauf also in Richtung Java und Web-Technologien hinbiegen und mich soweit fit in der Materie machen, dass ich bei einem Vorstellungsgespräch oder Programmiertest nicht sofort durchfiel (trotzdem ist genau das ein paarmal passiert).

Voraussetzung: Arbeitserlaubnis

In meinem Fall war die Arbeitserlaubnis relativ problemlos zu bekommen, denn durch meine Heirat mit der Amerikanerin L. erhalte ich mehr oder weniger automatisch eine Aufenthaltsgenehmigung, die die Arbeitserlaubnis einschließt. Vom Moment der Hochzeit bis zur Green Card sind es allerdings um die sechs Monate, soviel Zeit brauchen die Behörden um den Prozess zum Abschluss zu bringen. Gleichzeitig mit dem Green Card Antrag (korrekt: Adjustment of Status) stellte ich einen Antrag auf Arbeitserlaubnis (Employment Authorization), der mir nach etwa 6-8 Wochen ein mit Foto und Fingerabdruck versehenes Kärtchen im Briefkasten bescherte. Diese Arbeitserlaubnis ist vorläufig gültig für ein Jahr (aber mit der Erteilung der Green Card obsolet).

Natürlich gibt es auch den Prozess des Arbeitsvisums (H1B-Visum). Dazu muß man bereits aus Deutschland einen Arbeitgeber finden, der diesen Prozess unterstützt und alle notwendigen Unterlagen und Bescheinigungen zu erbringen bereit ist. Stand Herbst 2011 ist es meiner Meinung nach für den durchschnittlichen Softwerker so gut wie aussichtslos auf diese Weise ins Land zu kommen. Fast alle Stellenangebote weisen direkt darauf hin, dass sie nur Bewerber berücksichtigen, die bereits eine Arbeitserlaubnis besitzen. Chancen auf ein Arbeitsvisum gebe ich nur Leuten die entweder die nötigen Kontakte zu Firmen bereits haben (etwa durch frühere Beschäftigung) oder für Programmierer mit extremer Spezialisierung, etwa in Krytographie oder etwas ähnliches.